Im Landkreis Unterallgäu hat sich ein Mensch mit dem seltenen Borna-Virus (Borna Disease Virus 1, BoDV-1) infiziert. Das teilt das Gesundheitsamt am Landratsamt Unterallgäu mit. Die Person aus dem Raum Bad Wörishofen ist an den Folgen der Infektion gestorben. Infektionen mit dem Virus, das von Feldspitzmäusen übertragen wird, sind außerordentlich selten, verlaufen in der Regel aber lebensbedrohlich.
Das Gesundheitsamt ist derzeit mit der Klärung des Infektionswegs befasst und steht in engem Kontakt mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Aktuell ist nicht bekannt, wo und wie sich die Person infiziert hat. Nach derzeitigem Kenntnisstand kann die Übertragung des Virus bei Kontakt mit einer infizierten Feldspitzmaus oder mit deren Ausscheidungen wie Kot, Urin oder Speichel erfolgen. Von Mensch zu Mensch wird das Virus nicht übertragen und auch eine Übertragung von anderen infizierten Tieren (beispielsweise Pferde oder Schafe) auf den Menschen gilt als unwahrscheinlich.
Erkrankte zeigen zu Beginn meist unspezifische Symptome wie Fieber oder Kopfschmerzen. Innerhalb weniger Tage kommt es zu einer Beeinträchtigung des Nervensystems mit Auffälligkeiten wie Sprach- und Gangstörungen. Im weiteren Verlauf entwickelt sich eine Gehirnentzündung und die Betroffenen fallen ins Koma. Eine Infektion mit dem Virus ist sehr selten. In Deutschlang gibt es jährlich etwa zwei bis sieben Fälle, wobei 90 Prozent davon in Bayern auftreten.
Um sich vor dem Virus zu schützen, raten das Unterallgäuer Gesundheitsamt und das LGL, direkten Kontakt mit Feldspitzmäusen und deren Ausscheidungen zu vermeiden. Beim Umgang mit toten Tieren oder bei Staub aufwirbelnden Arbeiten an Orten, an denen Feldspitzmäuse leben - zum Beispiel beim Kehren im Schuppen - sollte man Einweghandschuhe und eine Feinstaubmaske (FFP2 oder FFP3) sowie gegebenenfalls eine Schutzbrille tragen. Danach sollte man duschen und die Kleidung waschen.
Muss man eine tote Spitzmaus entsorgen, zum Beispiel weil eine Katze diese mit ins Haus gebracht wird, sollte man die Maus, deren Ausscheidungen und die kontaminierten Flächen sorgfältig mit Haushaltsreiniger einsprühen. So verhindert man, dass virusbeladener Staub aufgewirbelt wird. Das tote Tier sollte man anschließend in einer verschlossenen Plastiktüte im Hausmüll entsorgen.
Wenn Spitzmäuse im häuslichen Umfeld beobachtet werden, sollte man die Nahrungsquelle ausfindig machen und sie den Tieren entziehen - zum Beispiel im Außenbereich angebotenes Hunde- oder Katzenfutter. Auch Komposthaufen oder andere Abfälle können durch das reiche Nahrungsangebot an Insekten für Spitzmäuse interessant sein.
Feldspitzmäuse sind keine Nagetiere, sondern Insektenfresser. Sie sind sehr selten und haben deutlich spitzere Gesichter als andere Mäuse. Zudem zeichnen sie sich durch einen stechenden Geruch sowie relativ kleine Augen und Ohren aus. Der Mensch begegnet den Tieren, die in Böschungen, unter Mauern oder in Hecken leben, nur selten, da sie nachtaktiv und scheu sind. Nicht zu verwechseln ist die Feldspitzmaus mit der Garten- und Hausspitzmaus, die in Gärten, auf Bauernhöfen und in Siedlungen vorkommt. Die Feldspitzmaus kann anhand ihrer zweifarbigen Färbung mit deutlicher Grenze zwischen Ober- und Unterseite von der Garten- und Hausspitzmaus (fließender Übergang) unterschieden werden.
Weitere Informationen - auch eine Anleitung zur Entsorgung toter Spitzmäuse - sind unter www.unterallgaeu.de/bornavirus oder beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zu finden unter www.lgl.bayern.de/bornavirus Fragen von Bürgern und Bürgerinnen beantwortet das LGL per E-Mail an servicestelle(at)lgl.bayern.de

