Sonntag, 20.01.19 |
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Heimatpflege im Bauwesen

Kreisheimatpfleger Peter Kern (Mitte) vor dem Baderhaus in Wiedergeltingen. Foto: Stefanie Vögele/Landratsamt Unterallgäu

Die Heimatpflege im Bauwesen ist sozusagen die praktische Denkmalpflege. Sie beschäftigt sich mit allen Gebäuden im Landkreis, die als Einzeldenkmal, im Ensemble eines Ortskernes oder einer Altstadt zusammenwirken oder in der unmittelbaren Nähe zu Baudenkmälern stehen. Im Fokus stehen außerdem die städtebauliche Anordnung aller Gebäude mit öffentlichen und privaten Flächen sowie der Übergang zur freien Landschaft. An erster Stelle steht der Erhalt von denkmalgeschützten Gebäuden und anderen Bauwerken, wie historischen Friedhöfen, Mauern, Brunnen, Kapellen, Marterln, Handwerks- und Produktionsstätten und Toren. Jedes abgebrochene Gebäude und jeder entfernte Gebäudeteil ist für immer verloren und bedeutet einen unwiederbringlichen Verlust an Bau- und Kulturgeschichte und damit eines Stückes Heimat.

Experte für dieses Thema ist Kreisheimatpfleger Peter Kern.

Fragen und Antworten

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Welche wichtigen Baudenkmäler gibt es im Unterallgäu?

Im Unterallgäu gibt es viele Schlösser, einige Burgen und eine Vielzahl an stattlichen Baudenkmälern wie Pfarrhöfe, Gaststätten, landwirtschaftliche Hofstellen, Zehentstadel und kleinere handwerklich genutzte Gebäude wie Schmieden, Mühlen, ehemalige Webereien und Wohngebäude. 

Die Schlösserlandschaft ist geprägt von den Schlössern der Familie Fugger. Daneben bestehen auch kleinere Schlösser von Patrizierfamilien als Landsitze, beispielsweise aus dem 16. Jahrhundert, und Schlösser aus kirchlichem Besitz.

Ein wesentlicher Bestandteil der Baudenkmäler sind kirchliche Bauten. Die Kirchen, häufig erbaut oder wesentlich umgebaut in der Barockzeit, die Klosteranlagen etwa in der Altstadt von Mindelheim oder das Karthäuserkloster in Buxheim, zahlreiche Kapellen, Mesmer- und Benefiziatenhäuser zeigen den Reichtum an historischer Bausubstanz.

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Was zeichnet die Mindelheimer Altstadt aus?

Die Mindelheimer Altstadt zeigt eine spätmittelalterliche Stadtanlage mit einer nahezu vollständig erhaltenen Stadtmauer und den drei noch erhaltenen Zugangstoren. Die Stadtanlage ist streng geometrisch in vier Viertel aufgeteilt, das Pfarrviertel, das Klosterviertel, das Mühlenviertel und das Spitalviertel. Diese Einteilung ist bis heute erhalten und deutlich erkennbar.

Die Bebauung entlang der Hauptachse in der Maximilianstraße ist geprägt von stattlichen Bürgerhäusern mit Geschäften und Handwerkseinrichtungen, die rückwärtige Bebauung in den Gassen und entlang der Stadtmauer besteht aus kleinen ehemaligen landwirtschaftlichen Stellen, Handwerksbetrieben, Wohn- und Nebengebäuden.

Sehr schön ist heute noch die Bebauung an der Stadtmauer zu erkennen. Hier wurden zunächst innerhalb der Stadt kleine, schmale Wohngebäude an die Stadtmauer angehängt. Später, ab dem 19. Jahrhundert, nach der Aufgabe der Wehrfunktion der Stadtmauer, wurden auch außerhalb der Stadt Anbauten an die Stadtmauer zur Erweiterung des Wohnraumes vorgenommen. Der Wehrgraben, heute Stadtgraben, blieb lange Zeit unbebaut. 

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Wie sollte man mit historischen Bauwerken umgehen?

Grundsätzlich kann der Umgang mit historischer Bausubstanz mit drei Schritten beschrieben werden:

  1. Erhalt und Sicherung der vorhanden Substanz, kein Abbruch und keine Verfälschung. 
  2. Material- und handwerksgerechte Ausführung bei Sicherungs- und geringen Ergänzungsmaßnahmen.
  3. Notwendige Ergänzungs-, Erweiterungs- und Modernisierungsmaßnahmen als additive Elemente in zeitgemäßer (moderner) Ausführung, die zu späterer Zeit ohne Beschädigung der historischen Substanz auch wieder entfernt werden können.
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Was macht eine gute Baukultur aus?

Bauen in der Gegenwart sollte mit den besten technischen Kenntnissen, einer klaren gesellschaftlichen Zukunftsorientierung, der Berücksichtigung von örtlichen und regionalen Gegebenheiten und einem hohen kulturellen und künstlerischen Anspruch stattfinden. Denn Bauen prägt sowohl den einzelnen Menschen als auch die Öffentlichkeit und die Gesellschaft. 

Im Sinne der Denkmalpflege bedeutet Baukultur in erster Linie den Erhalt, die Pflege und die sorgsame Weiterentwicklung der noch bestehenden Baudenkmäler, die in ihrer Zeit nach den oben genannten Kriterien entstanden sind. Aufgrund ihrer hohen Qualität sowohl in technischer als auch in künstlerischer Sicht, haben sie sich über viele Jahrhunderte bis in unsere Gegenwart erhalten.

Für die Heimatpflege sind beide Aspekte von gleicher Bedeutung:

  • der Erhalt und die sorgsame Weiterentwicklung der bestehenden Bausubstanz
  • und das kulturell und künstlerisch anspruchsvolle neue Bauen.

Aus dieser Haltung heraus wird Baukultur geschaffen und gepflegt.

 

Ansprechpartner

Heimatpflege

Engelbert Degenhart
Telefon: (08261) 995-313

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