Sonntag, 20.01.19 |
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Frühgeschichte und Bodendenkmäler

Kreisheimatpfleger Peter Hartmann bei einer Führung. Foto: Engelbert Degenhart/Landratsamt Unterallgäu

Das Unterallgäu ist seit vielen tausend Jahren besiedelt. Davon zeugen zahlreiche Überreste im Boden. Hier haben frühere Bevölkerungsgruppen ihre Spuren hinterlassen. So gibt es im Unterallgäu zum Beispiel mehrere Bodendenkmäler, die belegen, dass die Kelten hier gelebt haben. Daneben waren auch die Römer im Unterallgäu. Daran erinnert zum Beispiel ein ehemaliger römischer Brandopferplatz im Bereich des Kohlbergs. Außerdem gab es in Türkheim früher ein römisches Kastell. Weitere Zeugen der Vergangenheit sind unter anderem Stoßzähne von Urelefanten, Werkzeuge aus der Jungsteinzeit, alte Münzen, Waffen oder Überbleibsel einstiger Burgen. Experte für das Thema Bodendenkmäler sowie für die Vor- und Frühgeschichte des Unterallgäus ist Kreisheimatpfleger Peter Hartmann.   

Fragen und Antworten

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Was ist ein Bodendenkmal?

Als Bodendenkmal bezeichnet man im Boden befindliche Überreste von früheren Bevölkerungsgruppen, also Spuren menschlichen oder tierischen Lebens. Bodendenkmäler sind zum Beispiel ehemalige Befestigungsanlagen, Kult- und Bestattungsplätze, Verkehrswege, Siedlungen und Produktionsstätten. Sie „erzählen“ von vielen tausend Jahren Menschheitsgeschichte und liefern Forschern wichtige Erkenntnisse über die Vergangenheit.

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Welche Bodendenkmäler gibt es im Unterallgäu?

Im Unterallgäu hat es in der Vergangenheit zahlreiche Burgen gegeben - darauf weisen mehrere Bodendenkmäler hin. So gibt es in Rothenstein bei Bad Grönenbach eine Burgruine und im gesamten Landkreis findet man viele sogenannte Burgställe, zum Beispiel in Legau, Winterrieden oder in Heimenegg. Ein „Burgstall“ ist sozusagen „die Stelle einer Burg“, also der Standort einer früheren Burg. Oft spricht man in diesem Zusammenhang auch von einer „abgegangenen Burg“. Die Mauern und Steine der ehemaligen Burg wurden für andere Bauwerke und Kirchen verwendet und sind in der Regel nicht mehr vorhanden. Vom einstigen Bauwerk zeugen meist nur noch Geländebeschaffenheit, Gräben oder Erdwälle.

Daneben erinnern im Unterallgäu zum Beispiel Grabhügel aus der Bronze- und Hallstattzeit (Eisenzeit) an frühere Bevölkerungsgruppen, etwa in Wiedergeltingen oder Buxheim. 

Ein Hinweis darauf, dass die Kelten im Unterallgäu zu Hause waren, sind neben den Grabhügeln aus der Hallstattzeit die sogenannten Viereckschanzen in Kettershausen, Olgishofen, Türkheim, Dirlewang oder Rammingen. Eine Viereckschanze (auch Keltenschanze genannt) ist eine viereckige Fläche, die von einem Wall und einem Graben umgeben wird. Vermutlich umgaben diese Einfriedungen keltische Gutshöfe oder sie stellten den Mittelpunkt einer Gemeinde dar. Es könnte sich aber auch um Kultanlagen der Kelten gehandelt haben, die genaue Bedeutung der Viereckschanzen ist nicht abschließend geklärt. Ein Überbleibsel der Kelten ist ferner zum Beispiel auch ein ehemaliger Töpferofen bei Haselbach.

Ein weiteres Bodendenkmal sind die Überreste eines spätrömischen Kastells in Türkheim, das heute als Modell im Südschwäbischen Archäologiemuseum in Mindelheim zu sehen ist, sowie der römische Brandopferplatz im Bereich des Kohlbergs. Hier wurden Tiere geopfert.

Außerdem gibt es über den gesamten Landkreis verteilt Flurdenkmäler wie Grenzsteine oder Sühnekreuze. Viele Grenzsteine erinnern noch heute an historische Grenzen. Sühnekreuze sind Steinkreuze, die entlang alter Straßen, Wege und Kreuzungen, an Bäumen oder Waldrändern stehen und vor allem im Mittelalter errichtet wurden. Warum genau ein bestimmtes Sühnekreuz aufgestellt wurde, ist häufig nicht bekannt. Die meisten Sühnekreuze stehen jedoch in Zusammenhang mit einem Totschlag. Es soll üblich gewesen sein, für den Getöteten am Tatort oder an einem anderen von der Familie vorgeschlagenen Ort ein Sühnekreuz zu errichten. Dieses sollte die Vorübergehenden auf die Tat aufmerksam machen und sie zu Fürbitten für den ohne Sterbesakrament aus dem Leben Geschiedenen anregen.

Die im Unterallgäu bekannten Bodendenkmäler können auf den Internetseiten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege im sogenannten BayernViewer kartografisch abgerufen werden. Klicken Sie hier und Sie werden zu den Internetseiten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege weitergeleitet. Grundsätzlich können alle im BayernViewer ausgewiesenen Bodendenkmäler besichtigt werden. Sie stehen jedoch unter besonderem Schutz und dürfen nicht verändert oder zerstört werden.

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Welche kulturhistorische Bedeutung hat der Kohlberg?

Über den Kohlberg führt eine historische Straße. Diese wurde bereits von den Römern benutzt und im 12. Jahrhundert von Heinrich dem Löwen, dem Herzog von Bayern, ausgebaut, da die Straße für den Salztransport von München nach Lindau bedeutsam war. Heute verlaufen hier die alte Bundesstraße 18 und die Autobahn 96.

Von den Römern zeugt ein Brandopferplatz im Bereich des Kohlbergs. Hier wurden verbrannte Tierknochen von Schafen, Rindern und Ziegen entdeckt, was darauf schließen lässt, dass an dieser Stelle um etwa 200 nach Christus Tiere geopfert wurden.

An der Ostseite des Kohlbergs befand sich früher der ehemalige Schönauweiher, den der in Oberkammlach geborene Reichskartograph Johann Baptist Homann um 1700 auf einer Karte festgehalten hat. In diesem Bereich fand 1796 im Zuge der Französischen Revolution auch die Schlacht zwischen königstreuen französischen Soldaten und republikanischen Truppen statt, das „massacre de camlac“.

Zur Trennungslinie zwischen Ost und West wurde der Berg durch die Reformation. Damals trennte der Kohlberg das Herrschaftsgebiet der evangelischen freien Reichsstadt Memmingen und der katholischen, bayerischen Herrschaft Mindelheim.

Seinen Namen hat der Kohlberg von der dortigen ehemaligen Köhlerei. Dass auf dem Kohlberg Holzkohle gewonnen wurde, sieht man noch heute an den Vertiefungen im Boden. Es handelt sich dabei um ehemalige Kohlemeiler. In der Zeit um den Zweiten Weltkrieg wurde die Köhlerei wieder in Betrieb genommen, da Kohle damals knapp war.

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Welche vor- und frühgeschichtlichen Funde hat man im Landkreis gemacht?

Die ältesten Funde, die man im Unterallgäu gemacht hat, reichen bis in die sogenannte Tertiärzeit zurück. So hat man im Landkreis zum Beispiel Stoßzähne und Unterkiefer von Urelefanten sowie Muscheln gefunden, die rund zehn Millionen Jahre alt sind. Daneben hat man im Unterallgäu Mammutzähne, Steinwerkzeuge sowie Gefäße aus der Stein- und Jungsteinzeit entdeckt. Aus der Bronze- und Hallstattzeit stammen Waffen, Schmuck und Münzen, die als Grabbeigaben in den Hügelgräbern aus dieser Zeit lagerten. Aus späterer Zeit, aus der Frühgeschichte, sind zum Beispiel die Alemannen- und Merowingergräber, die man in Mindelheim und Schlingen entdeckt hat. Anschauen kann man Funde aus dem Unterallgäu im Südschwäbischen Archäologiemuseum in Mindelheim (Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung für Mittelschwaben).

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Was sagen diese Funde über die Vergangenheit des Landkreises aus?

Man kann daraus ableiten, dass die erste Besiedelung des Unterallgäus erfolgte, als die letzten Gletscher abgeschmolzen waren und mit den großen Schmelzwasserströmen die typische Unterallgäuer Landschaft entstanden war. Das war vor 15.000 bis 10.000 Jahren vor Christus.

 

Ansprechpartner

Heimatpflege

Engelbert Degenhart
Telefon: (08261) 995-313

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