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Sonderausstellung zur Lokalbahn Memmingen-Legau

Von: Bauernhofmuseum

Anlässlich der abgeschlossenen Sanierungsarbeiten der historischen Eisenbahnbrücke zwischen Illerbeuren und Lautrach widmet das Schwäbische Bauernhofmuseum Illerbeuren der ehemaligen Lokalbahnlinie Memmingen – Legau
eine Sonderausstellung. In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Unterallgäu wird die Geschichte der Stichbahnstrecke aufgezeigt: Von der Planung, dem Bau und
der Eröffnung über die Auswirkungen des Anschlusses in Form von Strukturwandel,
wirtschaftlichem Aufschwung und beginnendem Tourismus bis hin zur letzten Fahrt
und der Stilllegung. Gezeigt werden Orte und Menschen, deren Geschichten mit der
historischen Trasse eng verwoben sind.   
Bis 21. Juli 2019 kann die Sonderausstellung in Schwabens Freilichtmuseum
besichtigt werden. Für den Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather ist "die
ehemalige Eisenbahnbrücke bei Illerbeuren - frisch saniert - ein echtes
Schmuckstück. Mit der Ausstellung ‚Bitte einsteigen!‘ wollen wir die Geschichte
dieses besonderen Denkmals aufleben lassen und damit auch die Geschichte der
gesamten Bahnstrecke Memmingen - Legau.“ Seit 1972 ist die Bahnlinie eingestellt
und wurde durch einen Buspendelverkehr ersetzt. Damit verlagerte man den
einstigen Wirtschaftswarentransport komplett auf die Straße um. 

Eine gestampfte Brücke 
Die zwischen den Gemeinden Illerbeuren und Lautrach gespannte Bogenbrücke
aus Stampfbeton war für diese Zeit eine technische Meisterleistung. Die Iller als
alpiner Fluss führte häufig Hochwasser. Verbauungen im Flussbett waren daher
unsicher. So erstellte die Generaldirektion der Königlich Bayerischen
Staatseisenbahnen ein Konzept, dass die Flussüberspannung in einem einzigen
großen Brückenbogen zu erfolgen hatte. Die Umsetzung wurde in nur neun
Monaten realisiert, bis zur Fertigstellung im April 1904. Diese Meisterleistung
bekundet auch der Illerbeurer Museumsleiter und Bauhistoriker Dr. Bernhard
Niethammer: "Die historische Eisenbahnbrücke über die Iller gehört zu den großen
ingenieurtechnischen Leistungen der frühen Betonarchitektur, deren Erhaltung und
vorbildliche Restaurierung mich als technikaffinen Menschen besonders freut."
Insgesamt mussten für die Strecke sieben Brücken in kürzester Zeit errichtet
werden. 
In der Sonderausstellung haben die Besucher die Möglichkeit sich auf eine kleine
Zeitreise entlang der Eisenbahnstrecke zu begeben. Jeder historische Haltepunkt
auf der Strecke erzählt eine persönliche Geschichte: vom Berufseisenbahner
Wilfried Kuhn, Fahrkartenverkäufer in Memmingen, über Caro Zorino und Dominico
Zurini, die als italienische Gastarbeiter am Brückenbau 1903/04 beteiligt waren bis
hin zum Ehepaar Auguste und Josef Müller aus Lautrach, die das Schicksal der
Brücke 1945 auf besondere Weise in die Hand nahmen: Auf deren eindringliches
Bitten wurde die Gemeinde Lautrach kampflos den Alliierten übergeben und damit
die eigentliche Brückensprengung als Schutz vor den Alliierten verhindert. 
Relikt dieser Verkehrsgeschichte ist heute ein Fahrradweg der über den alten
Bahndamm führt. Dieser bekommt durch die von Landkreis Unterallgäu sanierte und
im Mai 2019 geplante Wiedereröffnung der Eisenbahnbrücke in Illerbeuren einen
besondere Attraktivität. Nach über 100 Jahren wurde die Eisenbahnbrücke 2017
erstmals saniert. Die umfangreichen bauhistorischen Analysen und
Sanierungsarbeiten werden ebenfalls in der Sonderausstellung vorgestellt.
Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung. 

Inhalt zuletzt aktualisiert am: 24.05.2019