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Von der Deponie zum Wertstoffhof


Früher wurde der Hausmüll in der Kiesgrube entsorgt. Recycling war ein Fremdwort. Heute wird der Abfall zum Großteil verwertet. Dazu werden im Unterallgäu an 24 Wertstoffhöfen Leichtverpackungen, Papier, Glas, Elektroschrott und vieles mehr gesammelt. Der Restmüll wird verbrannt. Wie sich die Abfallentsorgung im Landkreis entwickelt hat, darüber informierte der Leiter der Abfallwirtschaft des Landkreises, Edgar Putz, im Umweltausschuss des Unterallgäuer Kreistags. Er blickte dabei auch in die Zukunft: So steht die Entscheidung an, ob statt dem Gelben Sack im Bringsystem ein Holsystem für Leichtverpackungen eingeführt wird.

Seit genau 40 Jahren, seit Juni 1977, ist der Landkreis für die Entsorgung des Abfalls verantwortlich, sagte Putz. Zuvor waren es die Gemeinden. Der Kreis führte eine einheitliche, landkreisweite Müllabfuhr ein, verfüllte die bestehenden Deponien zunächst aber weiter. Denn noch ging es nicht um Verwertung: das Abfallbeseitigungsgesetz von 1972 schrieb vor allem „Gefahrenabwehr“ vor. Das änderte sich 1986: Nun hatte die Verwertung von Abfällen gesetzlich Vorrang und das Unterallgäu bekam zwei Jahre später den ersten Wertstoffhof in Breitenbrunn.

Wenige Jahre später wurden im gesamten Landkreis Wertstoffe erfasst. „1994 hatte das Netzwerk aus 24 Wertstoffhöfen und sieben Kompostierungsanlagen seinen heutigen Ausbauzustand erreicht“, sagte Putz. Der Großteil des Restmülls wurde zu diesem Zeitpunkt bereits im Müllkraftwerk in Weißenhorn thermisch behandelt. 2005 folgte ein weiterer Schritt: nun kam der gesamte Restmüll aus den Unterallgäuer Haushalten zur Verbrennung nach Weißenhorn. Hausmülldeponien waren endgültig Geschichte.

„Heute hat die Vermeidung von Abfällen höchste Priorität“, betonte Putz. Ziel des Kreislaufwirtschaftsgesetzes von 2012 ist unter anderem die Schonung von natürlichen Ressourcen und die Förderung von Recycling. Dazu wurde im Unterallgäu nicht nur die Erfassung von Wertstoffen ausbaut und etwa um CDs, Tonerkartuschen, Flachglas, Photovoltaikmodule, Nachtspeicheröfen oder Kork erweitert.  Es wurden auch eine kommunale Altpapiertonne (2012) und der Gelbe Sack für die unsortierte Erfassung von Leichtverpackungen (2013) eingeführt. So werden im Unterallgäu laut dem Leiter der Abfallwirtschaft mittlerweile 75 Prozent des Wertstoff- und Restmüllaufkommens verwertet.

Wie die Abfallentsorgung im Unterallgäu im Detail geregelt ist, steht im Abfallwirtschaftskonzept, das Putz den Mitgliedern des Umweltausschusses in aktualisierter Fassung vorstellte. Demnach werden inzwischen 34 Abfallarten getrennt erfasst. Landrat Hans-Joachim Weirather sprach von einer „sehr differenzierten Verwertung“.

Das soll auch in Zukunft so bleiben. Allerdings muss bei der Entsorgung von Verpackungen bald eine wichtige Entscheidung getroffen werden, wie der Leiter der Abfallwirtschaft informierte. Da die Vereinbarung mit den Dualen Systemen, also den Betreibern der Rücknahmesysteme für Verpackungen, Ende 2018 ausläuft, stellt sich die Frage, wie es hier weitergehen soll. Sollen Verkaufsverpackungen weiterhin im Gelben Sack zum Wertstoffhof gebracht werden? Oder soll stattdessen ein Holsystem eingeführt werden - zum Beispiel eine Gelbe Tonne für Verpackungen, zusätzlich zur Restmüll-, Biomüll- und Altpapiertonne? Unter anderem dazu sollen demnächst auch die Bürger befragt werden.