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Schwerstkranke Menschen noch besser versorgen


Eine schwere, unheilbare Krankheit kann jeden treffen. Dann geht es nicht nur um beste medizinische und pflegerische Versorgung. Betroffene brauchen Unterstützung in vielen Bereichen, zum Beispiel Hilfe im Alltag, jemanden, der zuhört, oder jemanden, der pflegende Angehörige entlastet. Im Landkreis Unterallgäu soll die Versorgung von lebensbedrohlich erkrankten Menschen weiter ausgebaut werden - im häuslichen Umfeld und stationär. Dazu hat der Kreisausschuss des Kreistages einen vierteiligen Beschluss gefasst und dem Kreistag empfohlen, die entsprechenden Mittel im Haushaltsplan 2019 bereitzustellen.

Dr. Manfred Nuscheler, Vorstandsmitglied im St. Elisabeth Hospizverein und Geschäftsführer der Pallium gGmbH, stellte die Arbeit des Vereins vor. Der Hospizverein übernimmt im Landkreis Unterallgäu und in der Stadt Memmingen seit mehr als 20 Jahren die ehrenamtliche Begleitung von schwerstkranken Menschen. Aus dem Hospizverein ging zudem die Pallium gGmbH hervor, die die  spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) für den Landkreis Unterallgäu und die Stadt Memmingen mit Palliativmedizinern und Palliativpflegekräften leistet. 

Ein stationäres Hospiz gibt es im Unterallgäu nicht. Um dennoch eine heimatnahe stationäre Betreuung zu ermöglichen, gibt es im Caritas-Seniorenzentrum St. Georg in Mindelheim ein Hospizzimmer. Die Belegung koordiniert der St. Elisabeth Hospizverein, die reguläre Pflege übernimmt das Personal des Seniorenzentrums, die darüber hinausgehende Betreuung liegt wiederum in der Hand des Hospizvereins.

Dieses Angebot soll nun erweitert werden: Stefan Kienle, Büroleiter des Landrats, berichtete, die Stadt Memmingen habe bereits signalisiert, im Bürgerstift in Memmingen ebenfalls ein Hospizzimmer einzurichten. Nun sprach sich der Kreisausschuss einstimmig für ein weiteres Hospizzimmer im Kreis-Seniorenwohnheim St. Martin in Türkheim aus.

Da auch für diese beiden Plätze der Hospizverein St. Elisabeth die Betreuung übernehmen wird, muss der Verein sein Personal aufstocken. Alle Mitglieder im Kreisausschuss waren sich einig, dass der Landkreis diese Stelle anteilig fördern soll. Berechnungen der Verwaltung zufolge liegen die Kosten dafür vorerst bei jährlich rund 22.500 Euro. Besteht dann auch das Zimmer in Türkheim, steigen die Kosten für den Landkreis voraussichtlich auf rund 40.000 Euro im Jahr.

An den Kreiskliniken soll künftig ein stationsübergreifender palliativer Konsiliardienst das Klinikpersonal bei der Behandlung schwerstkranker Menschen unterstützen. Übernehmen wird diese Aufgabe die Pallium gGmbH. Dass ein Krankenhaus mit einem externen Palliativdienst eine solche Kooperation realisieren kann, sei etwas deutschlandweit Erstmaliges und Einmaliges und dem Bemühen von Landtagsabgeordneten Klaus Holetschek zu verdanken, der sich an dieser Stelle intensiv eingebracht habe, erklärte Landrat Hans-Joachim Weirather. Der Kreisausschuss sprach sich einstimmig dafür aus, dieses Vorhaben finanziell zu unterstützen, da die Krankenkassen die Kosten nur teilweise übernehmen. Der Betrag wird vorläufig auf maximal 50.000 Euro pro Jahr gedeckelt.

Mehrheitlich beschloss der Kreisausschuss darüber hinaus, die Erweiterung des Allgäu Hospizes in Kempten mit einem Zuschuss von 30.000 Euro zu fördern - was nicht der erbetenen Fördersumme entspricht. Büroleiter Kienle erläuterte den Hintergrund: Unterallgäuer Patienten, die über das bestehende Angebot im Landkreis nicht versorgt werden können, können teilweise Plätze in den umliegenden Hospizen belegen, zum Beispiel in Kempten, aber auch in Illertissen oder Augsburg. 2016 und 2017 haben jeweils drei Personen aus dem Unterallgäu im Allgäu Hospiz in Kempten einen Platz in Anspruch genommen. Anhand der Belegzahlen aus dem Unterallgäu errechne sich anteilig dieser Zuschuss, erklärte Kienle. Allerdings beinhaltet der Beschluss des Kreisausschusses auch, dass auf Basis der konkreten Belegzahlen Anfang des Jahres 2020 diskutiert werden soll, ob der Landkreis eine weitere Förderung gewährt.